learning by doing … pura vida!

von Birgit Eibl

.. eine aufregende, intensive und überwältigende Zeit liegt hinter uns – Danke von meiner Seite an die motivierten Studentinnen und Studenten für das Gelingen der Exkursion in die Tropen. Dass in unserem Blog die intensivsten Eindrücke am vordergründigsten transportiert werden (köstliches Essen, das Zusammentreffen mit der atemberaubenden Fauna und Flora) und so manche emotionale Grenzerfahrung in den Vordergrund rückt, verstehen alle, die schon einmal aus der gemäßigten Zone Mitteleuropas in ein Gebiet der Extrema in Mittelamerika eingetaucht sind. Extreme Niederschlagsmengen, extrem große Blätter, extrem diverse Habitate, extrem viele Klimazonen auf kleinem Raum, extrem freundliche Menschen, …

Dass das Abbauen und Reinigen von meteorologischen Messgeräten, die von der permanent hohen Luftfeuchtigkeit und allerlei Getier dahingerafften worden sind und nun die Überstellung nach Wien abwarten, emotional keine erwähnenswerten Höhenflüge auslöst, ist verständlich. Gerade das ist aber mit viel Geduld verbunden, um die vielzähligen Sensoren von den angesammelten Daten zu befreien, um danach einen kurzen, erstaunten Blick auf die gemessenen Regenmengen zu werfen; und es regt zu Diskussionen über mögliche Verbesserung von Messtechnik an. All das gehört zu einer Exkursion – genauso wie der Exkurs in andere Disziplinen, der sich hier aufdrängt wie sonst kaum im Studium der Meteorologie.

So unterstützen wir das Wiederbewaldungs- und Korridorprojekt COBIGA indem die unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen in den Baumschulen untersucht werden, um ein vollständigeres Bild für Wachstumserfolge der einzelnen Jungpflanzen zu bekommen.

Es ist uns auch möglich, der Tropenstation in La Gamba eine Wetterhütte zur Verfügung zu stellen, um die Messungen durch Personal der Tropenstation zu vereinfachen und nachhaltig garantieren zu können. Großer Dank gilt hier Anton Dattler, der in stundenlanger Arbeit mit viel Interesse und Motivation eine wunderschöne Hütte gezaubert hat, die sich sehr gut macht im Garten der Station.

Foto: Christian Hartmann

Weiters danken wir der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für die gespendeten Niederschlagsmessgeräte und die Thermometer!

Übergabe des Niederschlagsmessgeräts an Elias von der Finca Alexis. Foto: Anton Weissenhofer

 

Wenn 12 MeteorologInnen die exotischsten Tiere links liegen lassen, weil sich die Entstehung und das Sterben von prächtigen Gewitterzellen  im 360° Blick präsentiert, lässt das so manchen Biologen kopfschüttelnd zurück. Die intensiven tropischen Regenschauer konnten wir im Süden Costa Ricas beinahe täglich  studieren. Einen intensiven tropischen Regenschauer zu erleben, dabei zu beobachten, wie die Ticos und Ticas damit umgehen, hinterlässt bei den zukünftigen Meteorologinnen und Meteorologen einen nachhaltigen Eindruck. Gelebter Alltag ohne Katastrophenalarm.

Wir hoffen, dass die intensive Tropenerfahrung übergeschwappt ist und beschließen den Lehrveranstaltungsteil des Blogs mit einem kräftigen Pura Vida!

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29.6.2018: Grande Finale

von Matthias Markel und Kevin Hebenstreit

Nach einer revitalisierenden Nacht bei einstelligen Plusgraden reichte dank der massiven Bauweise der Unterkunft bereits ein Wecker, um alle (naja fast alle) wach zu bekommen. Es war bereits 4:15 Uhr, also wirklich allerhöchste Zeit den Tag zu beginnen, stand doch die Wanderung zum Cerro de la Muerte auf dem Programm, um von dort aus den Sonnenaufgang zu bestaunen. Der Cerro de la Muerte ist beeindruckende 3451 Meter hoch (höchster Punkt unserer Reise) und bei guter Sicht kann man von dort aus sowohl den Pazifik als auch das Karibische Meer sehen. Dick eingepackt und professionellst ausgerüstet fuhren wir daher ein Stück mit dem Bus und wanderten anschließend einen Pfad hinauf zum Gipfel. Dort angekommen, ließ uns das Panorama allen den Atem stocken – wir sahen nämlich… nichts! Dichter Nebel hatte den Gipfel fest im Griff und so warteten wir gespannt ab, ob sich nicht doch noch eine Lücke am Himmel auftun würde. Leider vergebens und nachdem der kräftige Wind die Stimmung nicht unbedingt besserte, beschlossen wir zum Bus zurückzukehren. Für ein spektakuläres Gruppenfoto auf dem Gipfel reichte es aber trotzdem!

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Foto: Anton Weissenhofer

Es ging ein letztes Mal zurück zur Unterkunft, wo wir uns mit einem ausgiebigen Frühstück (zur Abwechslung gab´s Gallo Pinto) für den Tag stärkten. Danach brachen wir in Richtung Cartago auf, es ging also von über 3000 m hinab ins Tal. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Zwischenstopp bei einem sehenswerten Hochmoor, für das sich aufgrund der äußeren Umstände aber nur noch Teile der Gruppe vollends begeistern konnten. Dank Busfahrer Emidio erreichten wir zügig Cartago und von dort aus ging es direkt weiter zu einem der großen Highlights des Tages – dem auf 3400 m Seehöhe gelegenen Vulkan Irazú. Als wir auf dem Vulkan ankamen, sahen wir dort… wieder einmal Nebel! Vom Gipfelbereich des Vulkans wanderten wir hinab in Richtung Krater. Als wir diesen erreichten, zeigte sich auf einmal die Sonne und die mehr als beeindruckende Aussicht auf den Kratersee und traumhafte Wolkenformationen. Glücklich machten wir zahlreiche Fotos von der imposanten Kulisse. Nur wenige Minuten später zog es schon wieder zu, dank der lehrreichen Erklärungen von unserem Guide Anton ging die Vulkanbesichtigung trotzdem spannend weiter. Anton wies zunächst auf den warmen Boden hin (vulkanische Fußbodenheizung) und erklärte uns anschließend die verschiedenen Stadien der Entstehung von Pflanzen auf vulkanischem Untergrund. Erste sichtbare Pflanzen sind Moose, die in weiterer Folge dafür sorgen, dass Boden entstehen kann, der wiederum die Grundlage für Gräser (Horstgräser) bildet. Der Prozess der Sukzession startet, wodurch sich über einen längeren Zeitraum immer größere Pflanzen ansiedeln können.

Als sich zum dichten Nebel auch noch Donner gesellten, marschierten wir zum Bus zurück, der uns dann in die ehemalige Hauptstadt Cartago brachte. In einem originellen Markt aßen wir zunächst zu Mittag und ließen uns dann von Anton noch die dortige Vielfalt der tropischen Früchte näherbringen (inklusive anschließender Verkostung). Gestärkt spazierten wir zu einer der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt, der Basilika Nuestra Senora de los Angeles. Eine bekannte Wallfahrtskirche, die regelmäßig Besucher von weither anlockt.

Nach der abwechslungsreichen Stadtbesichtigung fuhren wir zurück nach San Jose. Nachdem morgen bereits ein paar von uns ihre Reise nach Österreich antreten, stand noch ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm. Bei Livemusik ließen wir die vielen, schönen Eindrücke der Reise Revue passieren. Eine großartige Exkursion neigt sich dem Ende zu, wir haben in den letzten zwei Wochen wirklich viel sehen und noch viel mehr lernen dürfen – so wie man sich Uni wünscht. Pura Vida!

28.6.2018: Vom Sommer in den Winter

von Judith Hahofer und Sabrina Marth

Letzter Tag in La Gamba. Wir blicken auf eine wunderschöne und sehr lehrreiche Zeit zurück. Neben den vielen Informationen über die Botanik und die Welt der Tiere, bekamen wir auch einen Einblick, wie sich die Natur hier auf das Klima einstellt.

Obwohl wir uns in der Regenzeit befinden, hat es zu unserer Überraschung verhältnismäßig wenig geregnet. Vor dem jeweiligen Auslesen der Niederschlagsmessgeräte wurden Wetten abgeschlossen, um wie viel es sich nun handeln könnte. Und wir lagen oft daneben. Es bedarf schon einiges an Erfahrung, um hier die Mengen richtig bestimmen zu können.

Eine besondere Augenweide sind die Wolkenformationen in den niedrigen Breiten. Aufgrund der schon hoch liegenden Tropopause sind Cumulonimben mit einer gigantischen Mächtigkeit zu bestaunen.

 

Nach dem Frühstück ging es dann über die Interamerikana, die vom Feuerland bis nach Alaska reicht, Richtung Villa Mills im Gebiet des Cerro de la Muerte (Todesberg). Wie der Name schon verrät, handelt es sich um eine sehr gefährliche kurvenreiche Route, bei der es in regelmäßigen Abständen zu schweren Unfällen und Pannen kommt.

 

Bei einem kleinen Zwischenstopp besuchten wir einen Souvenirladen eines Indianerstammes, die sich Boruca nennen. Indianer machen in Costa Rica 1% der Bevölkerung aus.

Auf unserem Weg ins Hochgebirge konnten wir einen Einblick der Ananasplantagen gewinnen. Hier nun ein paar Infos für alle, die Ananas genauso lieben, wie wir:

Der Anbau von Ananas zeigt sich als eine reine ökologische Katastrophe. Vom Setzen der Ananas, welche zur Familie der Bromelien gehört, bis zur Ernte der Frucht dauert es rund 18 Monate, als 1 ½ Jahre. Wie auf dem Foto zu erkennen, wächst pro Pflanze nur eine Frucht.

Nach der Ernte stirbt die Pflanze ab, wobei der Prozess durch Spritzmittel und anschließendem Verbrennen beschleunigt wird. Die Folgen: Die Böden dieser riesigen Anbaugebiete werden ausgebeutet und verseucht. Wenn man darüber nachdenkt ist es ein unglaublich beunruhigender Kreislauf, der fatale Folgen für die Natur hat.

Das geschieht alles für den Export. In Europa werden die noch unreifen Früchte in Reifekammern gelagert. Der Preis für eine Ananas liegt bei uns zuhause bei rund 2€ – genauso wie hier. Der Transport wird also kaum in den Verkaufspreis miteingerechnet, was einen enorm hohen ökologischen Fußabdruck bedeutet.

Dabei ist es auch keine Seltenheit, dass die gewinnorientierten Unternehmen den Einheimischen Grund enteignen um die Anbaugebiete zu erweitern.

Damit die Meteorologie nicht ganz zu kurz kommt, wurden Messungen von Temperatur und Feuchte über eine Dauer von zwei Stunden durchgeführt, um die Änderung mit der Höhe mitverfolgen zu können. Zwischen 560 und 2800 m besteht ein Temperaturgradient von 13°C. Die Feuchte blieb aufgrund einsetzendem Regen ziemlich konstant.

Nach Beziehen der Zimmer, die schon Almcharakter aufweisen, ging es in den Bergregenwald. Um mal wieder die Frage zu beantworten, ob wir trocken geblieben sind…lasst uns kurz überlegen…NEIN!

Gute Kondition, festes Schuhwerk und akrobatische Kletterkünste waren jedenfalls von Vorteil. Auf einer Höhe von 3100 m war der geringe Druck von rund 700 hPa vor allem beim Aufstieg deutlich spürbar. Der Regenwald zeigte sich sehr kontrastreich im Vergleich zu den Wäldern, die wir bis jetzt erkundet haben und im Nebel kam magische Märchenwaldstimmung auf.

Ausgerüstet mit Schlafsäcken, Winterbekleidung bzw. stylischem Lagenlook und so mancher Rettungsdecke geht es in eine „oaschkolte“ Nacht. Bei 9°C Außentemperatur (20:30 Uhr) und ohne Heizung und Warmwasser schläft es sich heute sicher besonders gut. Immerhin gibt es einen Vorteil: „NO NOBITE!“

27.6.2018: Cocodrillos y cojones

von Fabian Frank und Maximilian Weissinger

Der gestrige Abend wurde mit einer großen Fiesta begangen. Heiße lateinamerikanische Rhythmen verleiteten so manchen zum Tanzen. Und es wurde spät. Ziemlich spät. Als morgens der Gong zum Frühstück ertönte war etwa in Matula 3 nur ein leises Brummen zu hören. Während die Ticos bereits wieder in „Pura Vida“-Stimmung waren, so verlief am Frühstückstisch der eine oder andere Blick ins Leere. Die anstehende Bootsfahrt wurde mit gemischten Gefühlen erwartet.
Dann waren auch schon die Taxis da. Die Fahrt gestaltete sich abwechslungsreich und kurzweilig und wir erreichten die Hafenstadt Golfito. Die als Handelshafen für Bananen gebaute Stadt erstreckt sich entlang der wunderschönen Küste des Golfo Dulce. Direkt hinter den Häusern ragen von Regenwald bewachsene Berghänge empor. Wir machen einen kleinen Rundgang durch das Pueblo civil, wo sich eine Bar an die Nächste reiht. Aus einem kleinen Raum tönen dabei lautstark heiße Disko-Tracks und eine Frau strampelt am Hometrainer. Zurück im Hafen warten wir auf unser Gefährt und sind sehr froh, dass außer einem blauen Tretboot doch noch ein größeres Motorisiertes vor Anker liegt. Bei der Ausfahrt aus der Bucht bekommen wir einen wunderschönen Ausblick auf Golfito und werden von Pelikanen überholt. Bootskapitän Conejo fährt mit uns den Rio Coto hinauf, vorbei an Kormoranen und Silberreihern. Schließlich begegnen wir auch einem ganzen Haufen Krokodile, die sich glücklicherweise nicht auf einen Brunch getroffen hatten. Dann erreichen wir die Mangrovenwälder, die aus nur einer einzigen Baumart bestehen. Im Wasser schwimmen Kugelfische, in den Bäumen kraxeln grüne Leguane und Kapuzineräffchen.

In einem Kanal laufen wir auf einen Baum auf und beschließen, das Mittagessen abzuhalten. Die Empanadas mit Käse und Bohnen werden mit frischem Chili gewürzt, die eine oder andere Träne ist auch dabei. Nach dem Essen legen wir an einem Steg am Fluss an, um Baden zu gehen. Mit dem Gedanken an die Krokodachsl im Hinterkopf betreten wir die Insel. Nach einem kurzen Fußweg über die Insel erreichen wir eine Bar. Die costaricanische Fußballmannschaft hatte extra mit dem Ausgleichstor gegen die Schweiz auf unsere Ankunft gewartet. Wie zu erwarten wurden die Stimmbänder des Kommentators ausgiebig strapaziert. Draußen hinter der Bar bietet sich uns ein prachtvoller Strand und wir stürzen uns begeistert in die Wellen. Das Wasser hat Badewannentemperatur und der Blick auf die Palmen lässt keine Wünsche offen. Die Meteorologen zeigen natürlich auch ihr handwerkliches Geschick und so werden Kokosnüsse geknackt. In der Ferne konnten wir hoch aufgetürmte Cumulonimben bewundern, die Lieblingswolke des Meteorologen. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad verlassen wir den Flussarm in Begleitung einiger Delfine. Zu unserer großen Begeisterung haben wir von einem treuen Leser unseres Blogs eine Flasche des Nationalgetränks geschenkt bekommen. Wir möchten uns bei Herrn Professor Steinacker herzlich für die großzügige Spende bedanken, welche sofort mit einer Melone genossen wurde, was die ohnehin schon spannende Bootsfahrt noch kurzweiliger machte. Über einen alten Transportkanal der ehemaligen United Fruits Company nahmen wir eine Abkürzung zurück in den Golfo Dulce. Auf dem Weg zurück nach Golfito konnten wir gleich zwei Affenarten nebeneinander bewundern. Kapuzineräffchen und Brüllaffen. Letztere zeichneten sich durch ein markantes Körperteil aus, wobei der Alphaaffe die Größten hatte. Natürlich blieben wir Meteorologen bei den Erklärungen stets professionell. Zum Schluss legten wir wieder in Golfito an. Wir verabschiedeten uns bei Conejo und wurden von unserem coolen Busfahrer begrüßt.

26.6.2018: Raindrops keep falling on my head

von Kevin Hebenstreit und Matthias Markel

Heute konnten wir uns ein wenig von den körperlichen Strapazen der vergangenen Tage erholen. Speziell das Tischtennisturnier gestern hatte einigen schwer zugesetzt. Das große Finale zwischen Marcel und Anton war an Spannung kaum zu übertreffen, am Ende setzte sich schließlich der mehrfache Weltmeister und Lokalmatador Antonio (Anton) dank seiner ausgefuchsten, taktischen Raffinessen knapp durch und wurde im Rahmen einer Siegeszeremonie bis in die späten Abendstunden verdientermaßen gefeiert.

Nach einer für viele zu kurzen Nacht gab uns ein leckeres Frühstück schnell wieder Energie für die Aufgaben des Tages. Größere Ausflüge oder Wanderungen waren aber heute nicht geplant. So blieb die frisch gewaschene Kleidung heute endlich einmal schlammfrei – herrlich!

Das Highlight des Tages war dann am Nachmittag ein kräftiges Gewitter mit stundenlangem Starkregen. Für die Einheimischen wahrscheinlich nichts Besonderes, für uns Meteorologen aber ein beeindruckendes Schauspiel, durch das der gleichzeitig stattfindende Markt mit Schmuck und anderen Accessoires fast ein wenig unterging. Keine Sorge, für ein paar Souvenirs reichte es aber trotzdem.

Nachdem Anton berichtete, dass der kräftige Regen schon Spuren hinterlassen hatte, brachen einige von uns zum nahegelegenen Quebrada Gamba auf. Der normalerweise idyllische, kleine Bach war zum reißenden Fluss geworden, der bereits die Straßenbrücke nach La Gamba überspülte und unpassierbar machte. Kurze Zeit später hörte der Regen dann aber auf und die Lage beruhigte sich wieder – genau rechtzeitig zum Abendessen. Und das war ein ganz Spezielles: Heute stand eine kleine Fiesta an, zu der alle Mitwirkenden am Wiederbewaldungsprojekt und der Baumpflanzaktion eingeladen wurden! Es gab reichlich zu essen und Gastgeber Anton Weissenhofer ließ es sich nicht nehmen, in die Rolle des Küchenchefs zu schlüpfen. Auch zahlreiche bekannte Gesichter der letzten Tage, wie etwa Elias und seine Frau von der Finca Alexis waren zu Gast. Als Dessert wurden Obst und lateinamerikanische Musik serviert. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an unsere Nachbarn Waschbär, Lanzenotter und Co, die sich äußerst tolerant zeigten und uns keinerlei Beschwerden zukommen ließen.

Und so ging ein weiterer ereignisreicher Tag mitten in den Tropen gemütlich zu Ende. Morgen steht dann eine spektakuläre Bootsfahrt durch den Mangrovenwald an. Nur fraglich, ob die frisch gewaschene Kleidung auch dann noch schlammfrei bleiben wird. Morgen gibt’s die Antwort. 😉

25.6.2018: Lasset die Spiele beginnen!

von Susanna Winkelbauer und Marcel Fernsebner

Um 8 Uhr Früh starteten wir mit unseren heißgeliebten, klapprigen Fahrrädern in Richtung La Gamba. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Finca Modelo um eine HOBO Wetterstation (misst Temperatur und Feuchte in zwei verschiedenen Höhen, sowie die Globalstrahlung) aufzustellen und mit der süßen Katze zu spielen, machten wir uns auf den Weg zu einem Kakaobauern. Auf der unebenen, mit Schlaglöchern durchzogenen Straße kam es aufgrund von teilweise fehlender Bremsen und springenden Ketten zu kleineren Pannen. Auch ein paar selbstmordgefährdete Hühner liefen uns über den Weg. Trotzdem schafften wir es alle unversehrt ans Ziel.
Dort angekommen mussten die Fahrräder erstmal mit Bananenblättern vor langfingrigen Passanten versteckt werden bevor es nach einer kurzen Flussdurchquerung (zum Glück entschieden sich alle wieder für die Gummistiefel) auf das schön gepflegte Grundstück des Kakaobauern ging. Dort bekamen wir sofort eine Fruchtverkostung. Hungrig verschlangen wir die Naranjilla samt Schale, welche aber, wie wir sogleich feststellen mussten, nicht zum Verzehr geeignet ist. Unbeirrt setzten wir die Verkostung fort und genossen die von weißem Schleim umgebenen Bohnen der Kakaofrucht – schmecken wie Zuckerl. Anschließend zeigte uns Ovidio der Kakaobauer seine Plantage, welche 1600 Bäume umfasst. Dabei erfuhren wir wie schwierig seine Tätigkeit ist, da die Früchte des Kakaobaumes sehr anfällig für verschiedene Pilze sind. Einmal befallen, sind sie nicht mehr zu retten und verfaulen.

Die zuvor fermentierten und sonnengetrockneten Bohnen wurden geröstet, mit einem gigantischen Stößel zerstampft und anschließend zermahlen. Hier durften sich auch einige Meteorologen an der Kakaomühle versuchen – ein wahrer Kraftakt, der sogar die Stärksten zum Schwitzen bringt. Die resultierende Kakaomasse wurde erhitzt und mit viel Zucker und Wasser vermischt, wodurch sich eine schokoladenähnliche Substanz ergab. Da viele von uns schon seit Ankunft in Costa Rica auf Schokoladenentzug waren, erfreuten wir uns sehr an der mit Bananenstücken servierten zartbitteren Delikatesse – nur Palatschinken und Vanilleeis hätten diesen Moment noch besser machen können. Zum Schluss konnten wir noch selbstgemachte Schokolade, Kakaobutter und ausgefallene Souvenirs erstehen.

In der Zwischenzeit haben Birgit und Anton mithilfe der Drohne und eines Temperatur- und Strahlungsloggers versucht, eine Temperaturprofilmessung durchzuführen- Ebenso wurde HOBO Niederschlagskübel abgebaut und im Anschluss ausgelesen.

Temperaturprofilmessung
Foto: Birgit Eibl

Nach einer holprigen Rückfahrt erwartete uns ein köstliches Mittagessen bestehend aus Tortillas mit Guacamole, Bohnen, Fleisch und mehr. Während der darauffolgenden Siesta überraschte uns eine große, rötlich-graue Schlange (siehe Bild). Nachdem wir erfuhren dass diese nicht giftig war konnten wir sie sogar noch streicheln und ihre weiche Haut bewundern.

Beim Abbau einer Wetterstation flog uns schon die nächste Überraschung entgegen. Im Masten und Niederschlagskübel haben sich Wespen und Ameisen eingenistet – Insekten haben anscheinend eine Affinität für meteorologischen Vorrichtungen.

Am Abend erfolgt dann das heiß ersehnte Tischtennisturnier. Gespielt wurden acht Paarungen wobei der Gewinner fürs Aufsteigen zwei Sätze zu je 11 Punkten gewinnen musste. Man erinnere sich an das Hammerduell von LV-Leiterin Birgit und Tropenstationsleiter Antonio, welches letzterer für sich entschied. Die jeweiligen Gewinner spielten im Viertelfinale dann gegeneinander, et cetera. Im Finale standen dann La Gamba Pionier Anton alias Antonio aus dem Waldviertel sowie der krasse Außenseiter und Überraschungsmann Marcel aus dem Pinzgau. Somit stand das Traumfinale Wiener Meteorologen – Lokalmatadoren fest. Man sei gespannt wer gewonnen hat…

 

PS: Wir würden uns über Kommentare freuen! 😀

24.6.2018: Muas da wuarscht sein!

von Judith Hahofer und Sabrina Marth

Nach einer ausführlichen Verkostung des Nationalgetränks am Vorabend fühlten wir uns, trotz Tagwache um 06:00 Uhr früh, wie neu geboren. Allerdings sorgte ein „immenser Ohrenkraller“ bei so mancher Studentin für den extra morgendlichen Adrenalinkick (siehe Foto).

Ohrenkraller
Foto: Sabrina Marth

Erster Arbeitspunkt war das Erstellen eines Vertikalprofils der Temperatur mittels einer Drohne. Nach dem Frühstück und dem Abbau unserer romantischen Schlafkonstellationen begaben wir uns auf den Rückweg Richtung La Gamba.

Wolken_Wanderung
Foto: Sabrina Marth

Zwischendurch machten wir Halt bei einem „Sautanz“ de la Costa Rica. Eine sehr beliebte Delikatesse nennt sich Chicherones. Dabei wird die Speckschwarte in heißem Öl frittiert. Also Fett in Fett – mehr geht nicht! Geschmack: fast wie österreichische Grammeln.

Das lokale Warentransportmittel ist in den meisten Fällen ein Pferd mit selbstentworfenen Tragekörben. Ein Bauer (dieser Blogeintrag enthält Produktplatzierung: siehe T-Shirt) holte gerade mit solch einem Gefährt frische Quadrados, eine Sorte von Kochbananen, für die Schweindlfütterung .

Banenspferd
Foto: Sabrina Marth

Nach rund 12 schweißtreibenden Kilometern und den Umständen entsprechend noch relativ sauberen Schuhen folgte ein Besuch bei der Finca Amable. An diesem Standort wurden 2013/14 im Zuge eines Wiederbewaldungsprojekts 12.000 Bäume gepflanzt, ein Teil davon von Meteorologiestudenten der Universität Wien. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Unsere Begeisterung hielt sich zu diesem Zeitpunkt nach einer weiteren Version von „Hupf in Gatsch“ unabstreitbar in Grenzen. Zusätzlich hat die tropische Sonne bei so ziemlich allen seine Spuren hinterlassen.

Bei Wiederankunft in der Zivilisation folgte ein weiterer (drastischer) Rückschlag: Stromausfall und daher kein WLAN!. Bei 11 „verdreckten“ Studenten stieg der Drang nach Sauberkeit ins Unermessliche und bei nur zwei funktionierenden Duschen bildete sich eine wie in den letzten Tagen schon bekannte „Duschschlange“.

Beim Abendessen ließen wir nochmals unsere Tutorin Kathi zum Geburtstag hochleben. Die Köchinnen zauberten ihr einen deliziösen Kuchen (lo mejor queque del mundo), den sie netterweise mit uns teilte. Vielen Danke Kathi, du hast uns damit den Abend versüßt.

Kathi_Geburtstag
Foto: Judith Hahofer

Weil es heute noch nicht actionreich genug war (Sarkasmus lässt grüßen), starteten wir noch eine Nachtwanderung durch den Dschungel. Umgeben von leuchteten Augen konnten wir unter anderem Lanzenottern, Anolis, Glas- und Rotaugenfrösche beobachten. Für „Spinnenfreunde“ war es eine gratis Therapiestunde, die anschlug oder auch nicht.

Unsere letzten trockenen Hosen und Socken blieben ebenfalls nicht vom Flusswasser verschont.

#dieaugenleuchten #nobite #immens #gatsch

¡Que tuanis mae!

 

 

23.6.2018: Da bin ich mir sicher!

von Doris Vollgruber und Martha Kogler

…zumindest wenn´s um CO2 Neutralität geht. Deshalb haben wir am Samstag auf der Finca Alexis Bäume gepflanzt um den Regenwald wieder zu bewalden. In Costa Rica wurden in den vergangenen Jahren 80 % des Regenwaldes für Landwirtschaft ohne Hintergedanken abgeholzt. Jetzt versucht man die Wälder langsam wieder zu bewalden. Die Tropenstation La Gamba pflanzt jährlich viele ha neuen Regenwald. Oft werden diese Projekte von österreichischen Unternehmen gesponsert, die dann damit Werbung machen, dass sie CO2 neutral wirtschaften. Wie auch jene Lebensmittelkette, die sich da ganz sicher ist.

Das Ganze war grundsätzlich ganz einfach: Loch graben, Erde mit Regenwurmkompost („Lumpri kaka“) mischen, die Pflanze aus der Plastikverpackung befreien und einpflanzen. Jedoch kamen da noch die meterhohen Gräser, die prallende Hitze, lästige Mosquitos und der natürlich besonders harte Boden hinzu. Wir waren alle von oben bis unten mit Schmutz und Schweiß glasiert! Aber die Arbeit hat sich ausgezahlt: wir haben 260 Bäume in 5 Stunden geschafft und das schlechte Gewissen wegen des Langstreckenfluges wurde gemindert.

 

Zusätzlich konnten wir mit einer Drohne ein Vertikalprofil der Luft erstellen und superlustige Fotos während dem Bäumepflanzen schießen (siehe Anhang). Weiters wurde probiert ein Zeitraffervideo der Nebelbildung entlang des Gebirges  aufzunehmen und dafür wurde eine Kamera an einem Stock befestigt, was mehr oder weniger gut funktioniert hat. Zu Mittag belohnten wir uns mit Empanadas mit Käse und Bohnen und Tamarindensaft. Wir dachten wir hatten den Tag überstanden und dann gingen wir los zum Wasserfall. Steilster Weg in Gummistiefel gemischt mit Regen wie aus Kübeln, giftigen Fröschen und stacheligen Bäumen. Der Wasserfall war die Anstrengung wert und wurde trotz schüttendem Regen zum Baden verwendet. Der Abend endete mit einer großen Fiesta mit gegrilltem Schwein, 8 guten Tröpfchen des Nationalgetränks schon vor 20 Uhr und Tanz zu spanischer Musik.

 

Wichtige Vokabeln für den Tag:

la catarata – Wasserfall

el arbol – Baum

el palo – Stock

el ron – Rum

mojado – modrig (Gewand)

 

 

22.6.2018: Wanderung & Übernachtung auf der Finca Alexis

von Fabian Frank und Maximilian Weissinger

… von schweißtreibenden Tropenwanderungen, unbekannten aber leckeren Säften und dem wiederentdeckten Mittagsschläfchen…

Unser fünfter Tag in Costa Rica begann für alle sehr früh. Bereits um 5:00 hieß es raus aus den Federn, da schon um halb 6 der Gong für das Frühstück erhallte. Einige Studenten konnten sich von dem täglich ausgezeichneten Frühstück nicht überzeugen lassen, da diese noch schliefen oder sich für die Wanderung vorbereiten mussten. Pünktlich um 6:15 verließen wir die Tropenstation in La Gamba mit dem Ziel Finca Alexis. Insgesamt standen uns 14 km Wanderweg und 300 Höhenmeter bevor, die in Österreich locker bewältigbar wären – hier jedoch wegen der klimatischen Bedingungen in einem Dauerschweißausbruch endeten. Trotz der körperlichen Anstrengung blieb natürlich genug Zeit die Landschaft und Tiere zu bestaunen. Selbstverständlich galten auch sämtliche Gedanken der Costa Ricanischen Nationalmannschaft, welche um 6 Uhr Ortszeit in Russland gegen Brasilien antrat. Auf unserem Weg kamen wir immer wieder an Bars und Kiosks vorbei, in welchen wir die eine oder andere Minute des Spiel live mitverfolgen konnten. #VamosTicos

 

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Foto: Fabian Frank

 

Ebenfalls lernten wir die Gastfreundschaft der Costa Ricaner kennen. Am Weg zeigte uns eine Frau und ihr Mann ihr gesamten Hab und Gut am Bauernhof und verköstigte uns mit einem Saft von einer für sie namentlich unbekannten Frucht. Gestärkt vom Saft und sämtlichen Früchten traten wir die Weiterreise bei tropisch-sonnigen 29 Grad an und erreichten die Finca Alexis schließlich um 11:45. Die schweißtreibenden Strapazen wurden schließlich mit einem kühlen Bad im nahegelegenen Bach sowie einem köstlichen Mittagsessen schnell gelindert. Im Anschluss wurde das in unserer Kindheit gehasste, jetzt aber wieder hochgeliebte Mittagsschläfchen hochgelebt.

 

Gruppe schläft
Foto: Fabian Frank

Den Nachmittag gingen wir etwas ruhiger und lockerer an. Nach dem einstündigen Mittagsschlaf des gesamten Teams widmeten wir uns dem Aufstellen einer Messstation sowie dem Auslesen eines bereits dort aufgestellten Niederschlagskübels. Dieser zeigte einen sensationellen Niederschlagswert von 4000 Millimetern in 8 Monaten.

HOBO

Das Wichtigere war jedoch das Vorbereiten der Schlafplätze, da über die Hälfte des Teams auf Matratzen und Hängematten im Freien (Gott sei Dank überdacht) übernachten sollten. Für die nächsten Tage hieß es nun „back to the roots“ und Abenteuerurlaub „par excellence“. In diesem Sinne – pura vida 🙂

An dieser Stelle möchten wir uns auch für die täglichen 2300 Leserinnen & Leser aus Europa, Asien und Amerika bedanken! 🙂

Live vor Ort für euch aus Costa Rica,

Frank et al.

21.6.2018: Ein Tag in der Tropenstation

von Kevin Hebenstreit und Matthias Markel

So spannend der gestrige Tag war, so abenteuerlich endete er auch. Beim Abbau des Niederschlagskübels der Wetterstation kam uns ein Wespenschwarm entgegen, der sich über die Absiedelung wenig erfreut und kaum verhandlungsbereit zeigte. Die Folge waren ein paar schmerzhafte Stiche und ein fluchtartiges Ausschwärmen der Meteorologen. Da sich die angespannte Wespenlage kaum besserte, wurden die restlichen Arbeiten auf den nächsten Tag verlegt. Nach dem ereignisreichen und ziemlich anstrengenden Tag und einem gemütlichen Abendessen gingen wir früh (nach costa-ricanischer Zeit 😉) ins Bett.

Umso erholter wachten wir heute bei einem traumhaften Sonnenaufgang auf. Nachdem sich der Frühnebel gelichtet hatte, konnten wir es kaum glauben – die Sonne schien für ein paar Stunden von einem strahlend blauen Himmel. Nach dem Frühstück konnten wir unsere Arbeiten an den Geräten der Wetterstation fortsetzen. Kurz vor der Mittagspause fand dann die langersehnte Auslosung des mehr als prestigeträchtigen Tischtennisturniers statt und die hatte es ordentlich in sich. So treffen etwa schon in der ersten Runde Lokalmatador Anton auf Exkursionsleiterin Birgit, was hitzige Diskussionen nach sich zog. Schon kurz nach dem Mittagessen wurde die ersten Trainingseinheiten und Taktikbesprechungen abgehalten.

Am Nachmittag ging es dann pünktlich zum aufgezogenen Gewitter in die nahegelegene Finca Modelo, die ebenfalls zum Gebiet der Tropenstation La Gamba gehört. Dort erlebten wir eine beeindruckende Führung durch das Areal, die allerdings sehr geruchsintensiv begonnen hatte. Alvaro, der die Finca betreut, öffnete ein Fass mit selbst gezüchteten Mikroorganismen zur Kompostierung und Düngung. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Die anschließende Besichtigung und Verkostung zahlreicher Pflanzen und Früchte sorgte aber rasch für ein Stimmungshoch. So gab es unter anderem Maracujas, Kochbananen, Sternfrüchte, verschiedene Chilisorten und zahlreiche Kräuter zu bestaunen.

Auf dem Rückweg zur Tropenstation begleitete uns im Abendlicht ein schöner Regenbogen. Zum Abendessen hatten wir dann einen besonderen Gast zu Besuch: Ein Waschbär spazierte tiefenentspannt an den Tischen vorbei.

Morgen wartet dann eine spannende Tour zur Finca Alexis auf uns, wo wir zwei Nächte verbringen werden. Gerüchte über einen Wlan-Hotspot auf der Finca haben sich bislang aber leider nicht bestätigt. Fortsetzung folgt bestimmt…